wenn es sich nicht mehr stimmig anfühlt

über resonanz und ihre wirkung

Buch Hartmut Rosa auf orange weiß gestreiften Tuch

Es gibt Momente, in denen wir uns selbst nicht ganz an der Stelle erleben, die sich eigentlich stimmig anfühlen würde. Etwas ist leicht verrutscht, kaum sichtbar von außen, aber spürbar im Inneren. Die Welt antwortet zwar, doch ihre Antwort erreicht uns nicht richtig; sie wirkt fremd, unverbunden, als würde sie an uns vorbeiziehen, ohne wirklich einzuwirken.


Wo wir nicht mehr wissen, was wir wirklich einbringen wollen, verliert die Welt ihre Vertrautheit – und wir verlieren den Kontakt zu dem Ort in uns, von dem aus wir eigentlich handeln möchten. Es entsteht eine feine Distanz, kaum sichtbar, aber spürbar: als würde man sich selbst aus einer leichten Verschiebung heraus erleben, nicht ganz in der eigenen Spur, nicht ganz an dem Platz.


In solchen Momenten taucht ein Begriff auf, der schnell missverstanden wird: Resonanz. Für manche klingt er unbestimmt, fast esoterisch nach „im Einklang sein“. Vielleicht entsteht genau dadurch ein innerer Widerstand, sich mit diesem Gedanken überhaupt weiter zu beschäftigen. Doch in der soziologischen Perspektive, wie sie etwa Hartmut Rosa beschreibt, geht es um etwas sehr Konkretes: um die Qualität unserer Beziehung zur Umwelt. Resonanz meint nicht Harmonie. Sie ist nicht glatt, nicht immer angenehm und schon gar nicht permanent. Sie entsteht dort, wo uns etwas wirklich berührt, wo wir innerlich in Bewegung geraten und antworten – und wo diese Antwort uns verändert. In diesem Sinn ist unser Dasein als ein fortwährendes Gespräch mit der Welt zu verstehen. Ein Gespräch, das manchmal fließt, manchmal stockt und manchmal ganz abreißt – und gerade dadurch spürbar macht, wie sehr wir auf diese Weltbeziehung angewiesen sind.


Was Rosa als „antwortende Weltbeziehung“ beschreibt, lässt sich aus meiner Sicht um eine Dimension erweitern: das tief verankerte Bedürfnis, die Welt nicht nur zu erfahren, sondern sie mitzugestalten. Nicht im Sinne von Kontrolle oder Optimierung, sondern im Gegenteil als Ausdruck eines inneren Impulses, etwas Eigenes einzubringen. Wir wollen in Beziehung sein und wir wollen wirksam sein. Einen Sinn finden, Spuren hinterlassen, Formen finden, die uns entsprechen. Gestalten ist dabei kein reines Tun, sondern eine Bewegung zwischen unserem Inneren und dem Außen. Ein Sich-Hineinlehnen in die Welt, verbunden mit der Bereitschaft, sich berühren zu lassen. Immer wenn wir gestalten – im Denken, im Sprechen, im künstlerischen Ausdruck oder im alltäglichen Handeln – treten wir aus der reinen Beobachtung heraus und begeben uns in ein Verhältnis zur Welt, das antwortet. Manchmal als Bestätigung, manchmal als Widerstand, manchmal als Irritation. Genau darin liegt ihre Qualität. Denn Resonanz entsteht nicht dort, wo alles glatt läuft, sondern dort, wo ein Dialog entsteht.


Doch genau wenn diese Bewegung ins Stocken geraten ist, bemerken wir eine Unangebundenheit und fühlen uns leer. Wir hören auf zu antworten oder halten unsere eigenen Impulse zurück, noch bevor sie überhaupt Form annehmen können. Wir verstummen innerlich und äußerlich.


Der Weg aus diesem Zustand kann durch große Entscheidungen mit großen Konsequenzen entstehen, wie zum Beispiel ein Jobwechsel, ein Umzug ein Beziehungsabbruch. Oft beginnt er aber auch an unscheinbaren Stellen: öfter mal etwas zu machen, was wir wirklich tun wollen im Alltag. Unsere Gedanken zuzulassen, ohne sie sofort innerlich zurück zu nehmen. Wir können lernen wieder etwas von uns in diese Beziehung mit der Umwelt einzubringen, ohne dass es perfekt sein muss, aber mit dem Mut uns zu zeigen ohne Maske. Aus einer solchen Setzung entsteht Bewegung. Ein erster Schritt, dem ein zweiter folgen kann, dann ein dritter und irgendwann fühlen wir uns wieder im Fluss eines ständigen Dialogs mit unserer Umwelt. Resonanz lässt sich nicht herstellen im Sinne eines logischen Produktes, aber wir können ausprobieren, experimenentieren und dann erfahren. Aber wir können Bedingungen schaffen, unter denen sie wieder möglich wird: indem wir uns zeigen, indem wir antworten, indem wir uns einlassen.

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